Auto-Zulieferer werden digital

Der Umstieg von Verbrenner auf E-Motoren stellt die Auto-Branche vor große Herausforderungen: bei den aktuellen Energiepreisen wird die E-Mobilität immer wichtiger. Auch in Südwestfalen gibt es viele Firmen, die Baugruppen für „Verbrenner“ fertigen. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, haben sich Experten im Forschungsprojekt „Atlas – Automative Transformationsplattform Südwestfalen“ zusammengetan. Mit einer Fördersumme des Bundes von rund 7,1 Millionen Euro greift das Projekt der Autoteile-Industrie jetzt „unter die Radkästen“. Zu den größten Hürden zählen die Transformation und die Digitalisierung der Branche selbst. Auch Klimawandel und Politik machen sich bemerkbar: Gestiegene Gas- und Ölpreise beeinflussen die Produktion. „Eine Besonderheit in Südwestfalen ist der demografische Wandel – es wird eine riesige Lücke an Fachkräften geben“, betont Dr. Muhamed Kudic. Er ist Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für digitalisierte und nachhaltige Zusammenarbeit (DNZ gGmbH) und Leiter des Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums in Siegen. Daher sei es so wichtig, vorausschauend zu Planen und nachhaltige digitale Geschäftsmodelle zu schaffen.  
Dr. Muhamed Kudic, Projektleiter im ATLAS Projekt
„Wir überlegen: Was sind die Kompetenzen der Unternehmen und wie könnte man diese im Bereich der E-Mobilität nutzen?“, erklärt Dr. Muhamed Kudic. Bei dem Wechsel von Verbrenner- auf E-Motor muss die gesamte Antriebslogik neu „gedacht“ werden. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, Getriebe zu verbauen oder Wärmeschilde gegen Hitzeentwicklung einzusetzen. Dafür komme es auf andere Dinge an: Leichtbauweise werde immer wichtiger, denn: je leichter die Autos sind, desto weniger Energie benötigen sie. Selbst die Statik muss komplett erneuert werden: „In der Mitte des Autos sitzt jetzt ein riesiger Batterieblock. Wenn das Gewicht des Motors nicht mehr vorne sitzt, ist das Fahrverhalten des Autos ganz anders“, betont Kudic. 
„Uns geht es nicht nur um Firmen, die schon Teil der Automobilbranche sind, sondern wir wollen auch neue potenzielle Zulieferer erreichen“, macht Kudic deutlich.
Als Beispiele nennt er die Firma Mennekes, die jetzt Ladesäulen produzieren. Auch die Attendorner Firma Mubea entwirft nun neue Baugruppen für E-Autos. Die Unternehmen können selber über Dauer und Umfang der Projektarbeit entscheiden. Beginnend mit einem Betriebsrundgang und einer Aufstellung der Stärken und Schwächen, werden später minimalinvasive Produktlösunge (MVP) zur Spezialisierung erarbeitet. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto.
Ziel des Atlas-Projektes ist die Vernetzung von Forschung und Praxis: Die Beteiligten sollen ihre Ideen prototypisch auszuprobieren dürfen. Dafür ist es notwendig, darstellende Geräte wie 3-D-Drucker oder AR- und VR-Brillen anzuschaffen. „Die Qualifikation der Mitarbeiter ist ganz wichtig: Sie sollen „hands-on” an 3-D-Drucker gehen und die Teile, die sie vorher an der Drehbank gemacht haben, mit einem anderen Werkstoff neu ausprobieren“, erklärt Dr. Kudic. Um das gesammelte Wissen des Projektes zu erhalten, möchten die Koordinatoren ein Forschungsinstitut gründen. Neben den großen Gewerkschaften, der Forschung und der Wirtschaftsförderung sitzen auch langjährige Akteure des Automobilsektors und die Arbeitgeberverbände „mit im Boot“, um Firmen besser zu erreichen. Nach aktuellem Stand startet das Projekt im Winter – die Auftaktveranstaltung werde rechtzeitig angekündigt.
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